Was tun bei Schimmelbefall? 

Schimmelpilze sind weit verbreitet und haben in den letzten Jahren sogar um ein Vielfaches zugenommen. Haus- und Wohnungsbesitzer, aber auch Immobilienverwaltungen, Architekten und Baufirmen unterschätzen oft die gesundheitlichen Risiken für Menschen und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Immobilie.

In den letzten Jahren hat durch die zunehmend dichtere Bauweise die Problematik rund um den Schimmelbefall zugenommen - in jedem 4. bis 5. Haushalt treten Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme auf Diese Tatsache verdient Beachtung, denn eine überproportionale Belastung durch Schimmelpilze kann die Gesundheit beeinträchtigen, sogar gefährden. Die Folge sind beispielsweise Allergien, Asthmaanfälle, Schlafprobleme oder Unwohlsein. Ein Schimmelbefall hat auch einen schädigenden Einfluss einerseits auf die Bausubstanz, andererseits auf Möbel, Lacke, Kleider, Schuhe und Bilder. Aus Kostengründen oder Unkenntnis werden Schimmelpilzschäden immer noch zu oft einfach mit Farbe überstrichen. Eine nur oberflächlich durchgeführte oder unsachgemässe Schimmelpilzsanierung hat deshalb sowohl schwere gesundheitliche Risiken als auch wirtschaftliche Schäden hinsichtlich Nutzung, Weitervermietung oder Verkauf von Immobilien zur Folge. Wurde Schimmel nicht sachgemäss saniert, wächst er zudem ab einer 75-prozentigen Feuchtigkeit wieder rasch an. Auf keinen Fall darf Schimmel mithilfe eines Haartrockners getrocknet, mit chlorhaltigen Mitteln gereinigt oder einem ungeeigneten Staubsauer entfernt werden. Ein Schimmelbefall muss fachgerecht beseitigt werden.

 

Überall in der Luft 

Schimmel ist ein Sammelbegriff für mehr als zehntausend verschiedene Pilzarten. Sie bestehen aus einem Wurzelgeflecht, einem Myzel, das sich flächig ausbreitet. Für die Fortpflanzung treibt ein Myzel kleine Röhrchen (Hyphen), die mit tausenden von Sporen beladen sind, an die Oberfläche. Diese Sporen verbreiten sich über die Luftbewegung - ähnlich einer Pusteblume - zu neuen, günstigen Siedlungsgebieten. Die Hyphen sind für uns als schwarzer, grauer oder grüner Pelz sichtbar, das Myzel hingegen bleibt unsichtbar.

 

Schimmelpilzsporen sind alltägliche Bestandteile der Aussen- und Innenluft. Dabei erweisen sich die Sporen als äusserst widerstandsfähig und als Meister der Flugtüchtigkeit.

 

Grundsätzlich leben wir schon lange mit diesen Pilzen zusammen und unser Immunsystem kann gut mit ihnen umgehen. 

Nehmen wir jedoch beispielsweise im Keller einen Modergeruch wahr, dann ist dies ein Warnzeichen, dass zu viele Sporen und Schimmel-Abbauprodukte in der Luft sind. Für gefährdete Menschen wie Allergiker, Asthmatiker oder Leute mit schweren Vorerkrankungen wird die verstärkte Schimmelbildung zum Gesundheitsrisiko. Werden Möbel oder Bauteile befallen, nehmen die Schäden daran laufend zu. Zu spät entdeckte oder behandelte Schimmelflächen können hohe Sanierungskosten auslösen.

 

Schimmelpilz in Innenräumen 

Schimmel braucht zur Entstehung zwei Voraussetzungen: ein feucht-warmes Kima und die Verfügbarkeit von organischen Stoffen als Nahrung. In Gebäuden finden sich viele Stellen mit feuchten Oberflächen. So kann durch undichte Bauteile beispielsweise Regenwasser von aussen eindringen oder eine defekte Wasserleitung durchfeuchtet das Mauerwerk. Oder in den Kellerräumen steigt die Feuchtigkeit durch beispielsweise falsches Lüften im Sommer.

 

Räume mit kühlen Wänden und viel Feuchtigkeit sind besonders anfällig für Schimmelwachstum, zum Beispiel das Schlafzimmer, da dieses oft kühlere Temperaturen aufweist und nachts die Schlafenden durchs Atmen und Schwitzen viel Feuchtigkeit freisetzen. Bäder und Küchen sind ebenfalls durch die hohe Feuchtigkeit betroffen. Häufig findet sich Schimmel auch auf der Innenseite der Aussenwände oder an Trennwänden zu unbeheizten Räumen.

 

Das subtile Zusammenspiel zwischen der Raumluftfeuchtigkeit und der Temperatur auf Oberflächen von Bauteilen ist von grosser Bedeutung. Kühlt die Raumluft an kalten Wandoberflächen ab, herrscht an der Oberfläche eine deutlich höhere relative Feuchtigkeit als im Raum selbst. Liegt die relative Feuchtigkeit an der Wandoberfläche während einiger Tage annähernd bei 75 Prozent oder höher, ist mit Schimmelbildung zu rechnen. Als Nährstoffe dienen den Schimmelsporen der Hausstaub oder Papier, Karton, Tapeten und Holzwerkstoffe. Grundsätzlich sind verschmutzte Materialien anfälliger für Schimmelbefall als saubere.

 

In den Wohnräumen entstehen die Probleme mit der Feuchtigkeit meist im Herbst und Winter. In Kellerräumen ist hingegen der Sommer die ungünstige Jahreszeit. Gelangt nämlich beim Lüften warme, feuchte Luft in den Keller, kühlt sie ab und wird dabei noch feuchter. An den kühlen Kellerwänden steige dadurch die Gefahr von Schimmelbewuchs an. Kellerfenster und -türen sollte man deshalb besonders an warmen Sommertagen geschlossen halten.

 

Vorgehen bei Schimmelbefall 

Wird nicht frühzeitig saniert, können die Sanierungskosten erheblich steigen. Grob teilt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen Befall von Schimmel in drei Kategorien ein. Während bei Schimmelbefall der Kategorie 0 nach heutigem Wissenstand keine gesundheitliche Gefährdung besteht, kann dies bei den Kategorien 1 und 2 durchaus der Fall sein. Zudem besteht die Gefahr, dass die Bausubstanz ernsthaft Schaden erleidet. Je nach Grad des Schimmelbefalls ist anders vorzugehen. Bei unklarer oder grösserer Schadenssituation sollte eine Fachperson für Bauschäden und Bauphysik beigezogen werden.

 

Eine Schimmelpilzsanierungen hat es in sich - es entstehen sogar Extremsituationen. Die Belastung nur Pilzbestandteilen kann während einer Sanierung um das Tausend- bis Zehntausendfache ansteigen. Zudem können Staub und chemische Substanzen die Gesundheit belasten. Damit weder die Sanierer noch die Bewohner gefährdet sind, müssen Schimmelsanierungen gemäss den Merkblättern der Suva und des Schweizerischen Maler- und Gipser-Unternehmerverbands (SMGV) durchgeführt werden. Abhängig von der zu erwartenden Belastung rüsten sich die Sanierenden mit entsprechender Arbeitskleidung wie Schutzhandschuhen, Atemschutzmasken und Schutzbrillen aus. In vielen Fällen muss der Ort der Sanierung gegenüber anderen Räumen abgeschottet und/oder es muss für eine Frischluftzufuhr und einen Unterdruck im Sanierungsbereich gesorgt werden. Bei jeder Schimmelpilzsanierung müssen die Pilzbestandteile vollständig entfernt, feuchte Stellen gut ausgetrocknet und die Ursachen für die übermässige Feuchtigkeit behoben oder entschärft werden. Gefordert sind deshalb fachkompetente Firmen, welche die Räumlichkeiten sanieren.

 

Da verschiedene Techniken und Produkte zur Schimmelpilzbekämpfung auf dem Markt erhältlich sind, wird es für den Endverbraucher zunehmend schwieriger, fachkompetente Sanierungen von unsachgemässen zu unterscheiden. Der 2010 gegründete Verband Schimmelpilz- und Raumgiftsanierung, SPR Schweiz, schafft diesbezüglich Klarheit und sorgt damit für mehr Sicherheit (www.sprschweiz.ch)

 

Nie mehr Schimmelbefall 

Bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit, niedriger Aussentemperatur und schlechter Wärmedämmung können Fenster und Wände schnell feucht werden. Über längere Zeit kann dies zu Schimmel führen. Damit kein Schimmel entsteht oder nach einer Sanierung nicht wiederaufraucht, sollte man geeignete Massnahmen unbedingt umsetzen. Wichtig ist die richtige Raumluftfeuchtigkeit von 30 bis 50 Prozent. Diese wird bei einer Raumtemperatur von 19 bis 23° C erzielt. Die Luftfeuchtigkeit kann einfach mit einem Hygrometer überprüft werden.

 

Lüften und weitere Tipps 

Richtiges Lüften hilft, die richtige Raumluftfeuchtigkeit einzuhalten. Als Faustregel gilt: Mindestens dreimal täglich durch Öffnen aller Fenster und Türen während 5 bis 10 Minuten mit Durchzug lüften. Wer tagsüber nicht zu Hause ist, kann dies morgens oder vor dem Zubettgehen tun. In älteren Gebäuden mit neuen Fenstern und schlechter Wärmedämmung sollte häufiger gelüftet werden. Dasselbe gilt für Wohnungen, in welchen viele Personen auf engem Raum leben und für Neubauten oder Gebäude nach grösseren Umbauten. Unbedingt vermeiden sollte man Dauerlüften durch geöffnete Kippfenster während der Heizperiode. Der Luftaustausch ist gering, hingegen kühlen Wände und Möbel stark aus und die Bildung von Kondenswasser wird gefördert. Beschlagene Fenster sind übrigens ein deutliches Zeichen für eine zu hohe Luftfeuchtigkeit. Fachleute empfehlen zudem, dass die Raumtemperatur von 20°C in Wohnräumen und 18°C in Schlafräumen nicht unterschritten werden sollte.

 

Wenn beim Kochen, Duschen, Baden und Bügeln viel Dampf entsteht, sollte man die Abluftventilatoren betätigen oder ein Fenster öffnen. Defekte Abluftanlagen müssen rasch repariert und der Dampfabzug in der Küche regelmässig gereinigt werden. Beim Dampfabzug in der Küche muss zudem der Anschluss nach draussen gesichert sein. 

Nach dem Duschen das Badezimmer einige Minuten lüften. Da nasse Handtücher und Wände im Badezimmer trotz des Lüftens noch viel Wasser enthalten, erhöht sich die relative Luftfeuchtigkeit. Das Öffnen der Badezimmertür hilft bereits.

 

Im Winter entsteht zusätzliche Feuchtigkeit, wenn man Wäsche in der Wohnung aufhängt. Grosse Möbel wie Schränke und Wohnwände sind nicht an kühle Aussenwände oder in Ecken der Aussenwand zu stellen. Die Türen zwischen unterschiedlich beheizten Räumen sind zu schliessen.

 

Bei schlecht gedämmten Gebäuden sollte man den Heizbeginn nicht hinauszögern. Kühlen die Wände zu sehr aus, bildet sich schneller Schimmel. Besonders heikel kann es nach einer Bausanierungen werden, wenn die Fenster modernisiert wurden. Der natürliche Luftwechsel wird durch die dichten Fenster verringert und die Feuchtigkeit weniger abtransportiert. Deshalb lohnt es sich, vorgängig ein Lüftungskonzept mit einer Fachperson zu besprechen und die Benutzer entsprechend zu instruieren.

Quellen und Beratung 

Verband Schimmelpilz- und Raumgiftsanierung: www.sprschweiz.ch